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DIDYMA 1999 Kazı Raporu

 

 

Klaus TUCHELT*

Axel FILGES

 

Die vom 06.06.-03.08. 1999 dauernde Unternehmung stand ganz unter dem

Zeichen der Aufarbeitung von Altfunden und -befunden einerseits und der

Tempelkonservierung andererseits. Der Generaldirektion der Denkrnaler und Museen

ist für Unterstützung und die Gewahrunq der Arbeitsgenehmigung zu danken. Auch

Frau Meral Güngördü, die die Kampagne als Regierungsvertreterin wohlwollend

begleitete, gebührt unser Dank. In den etwas mehr als zwei Monaten waren insgesamt

15 Wissenschaftler, vier Restauratoren sowie acht Arbeiter tatig1.

Vier verschiedene archaoloqische Einzelunternehmungen wurden 1999

durchgeführt: Klaus Tuchelt schloB die Untersuchung zum Tempelvorplatz und seiner

Entwicklung ab. Ausgangspunkt waren dabei Tagebuchnotizen des Ausqrabers H.

KnackfuB und noch heute zu beobachtende Abnutzungsspuren an den Stufen der

Apollontempel-Front. Dabei zeichnen sich Phasen einer fortschreitenden Verschüttung

der Stufen und Erhöhung des den Tempel umgebenden Gelandeniveaus schon tür die

hellenistische Epoche und die frühe Kaiserzeit ab. Laut Feldbuch ist wahrend der

Ausgrabung auf mittlerem Niveau eine die Stufen und den gesamten Vorplatz einnehmende

Marmorsplittschicht beobachtet worden. Diese Steinschicht kann nur als

Abschlagmaterial gedeutet werden, das beim Bau der kaiserzeitlichen Ringhalle und

der Tempelfront angefallen war. Der Steinschutt ist also nicht weggeraumt, sondern an

Ort und Stelle planiert worden.

Weiterhin beschaftigte slch K. Tuchelt mit den Fundmünzen der byzantinischen

Zeit. Im Gegensatz zur These des ökonomischen und baulichen Stilistandes Didymas

wahrend des 4.-6. Jhs. n. Chr. konnte nachgewiesen werden, daB in Didyma in diesen

Jahrhunderten ein reger Geldumsatz herrschte, der auf ein florierendes Gemeinwesen

hindeutet.

Die Forschungen zum archaologischen Befund und den Funden von der

Felsbarre am Ende der Heiligen StraBe wurden von Helga Bumke fortgesetzt und

dabei die archaischen Fundkomplexe weitgehend abgeschlossen. Dazu gehören der

ungestörte Fundkomplex eines kleinen Einraurn-Gebaudes, des sog. Sekos P, der

nach der einheitlich archaischen Datierung seines Keramikmaterials als Votivdepot

interpretiert werden kann, weiterhin die dem funktionalen Bereich "Wassersammlung

und -weiterleitung" zugehörigen West- und Nordbecken, die verbindende Felsrinne

und das Südbecken. SchlieBlich wurde mit einer ersten Durchsicht der Befunde aus

der hellenistischen Schuttschicht begonnen, auf der Temenos A gründet - eine Anlage,die bereits zur hellenistischen Bebauung der Felsbarre überleitet.

Die Aufarbeitung der in Didyma gemachten Glas- und Bronzefunde wurde von

Dieter Bischop begonnen und für das im Depot lagernde Material der Jahre 1962 bis

1982 fertiggestellt. Es zeigt sich, daB die Bandbreite der didyrnaischen Glaser in ihrem

zeitlichen und qualitativen Spektrum dem von Sardis gleichkommt, da die Glasreste

aus dem 4. Jh. v. Chr. bis in die hochbyzantinische Zeit reichen. Den GroBteil machen

frühbyzantinische Glaser, vor allem kleine Pokale, aus.

Von A. Filges wurden die nacharchaischen Steinskulpturen sowie die

Statuenbasen aufgenommen und die Kataloge der insgesamt 103 SkulpturenFragmente

und 44 Basen fertiggestellt. Das Spektrum der Skulptur reicht von der klassischen

Zeit bis in die Kaiserzeit, wobei das Schwergewicht der letzteren Epoche angehört.

Auftallig ist die groBe Menge von Tierstatuenfragmenten, von denen einige unfertige

die Existenz von Bildhauerwerkstatten in Didyma belegen. Bei den im Gelanda des

Apollontemenos identifizierten Inschriftenblöcken überwiegen Basen für Bronze- die

für Marmorstatuen in der GröBenordnung von 10:1. Standbilder für Apollan lassen sich

über sechs Jahrhunderte nachweisen, diejenigen für Artemis nur in hellenistischer Zeit;

in der spaten Kaiserzeit treten Basen von Didymeen-Siegern verstarkt auf.

Im Bereich Architektur sind vier Projekte in Didyma weitergeführt worden

Die Beschreibung und zeichnerische Rekonstruktion der nicht erhaltenen

Plattenlagen des im Jahr 1994 unter der Ortamoschee von Didim- Yenihisar entdeckten

hellenistischen Plattenfundaments konnten von Thomas Schattner fertiggestellt werden.

Das Fugenbild des etwa 10 x 12 m. groBen Marmorfundaments zeigt im mittleren

Bereich eine orthogonale Ausrichtung, an den Handem bei gröBerem Blockformat

dagegen eine starke UnregelmaBigkeit. Die Lage aut dem beherrschenden Hügel

oberhalb des Apollontempels laBt auf einen bedeutenden öffentlichen Bau wie etwa

Altar ader Tempel schlieBen.

Hinsichtlich der Forschungen zum Fundament des sog. Südost-Baus, direkt am

Knick der Heiligen StraBe gelegen, konnten von EIgin Röver Aufbau und Steinformate

der 3. Lage weitgehend rekonstruiert werden. Die seitlich angrenzenden Stufen sind

nach diesen Forschungen nachtraqlich angesetzt worden; der Bau muB alsa als

ursprünglich freistehendes Monument verstanden werden. Eine Verkröpfung im

nördlichen Abschnitt spricht dafür, daB der Südost-Bau nicht von der Heiligen StraBe,

sondern von der dieser gegenüberliegenden Seite zu betreten war. Fundamentart,

GrundriB und Merkmale verweisen auf einen Bautypus wie etwa Altar, Bathron ader

Propylon.

Frank Berard schloB die MaBaufnahme für den Tabernakelbau ab. Proportionsberechnungen

an Architraven, Kapitellen und Basen legen nun nahe, daB die

Schaufassade zweigeschossig war.

Der wissenschaftliche Leiter der Tempelkonsolidierungsarbeiten Lothar HaseIberger

entdeckte auf der Euthynterie der nördlichen Adytoninnenseite antike Zahlzeichen

und dokumentierte sie. Diese ergeben in Folge zwei, fast vollstandiqe ionische

Alphabete, die als MaBsystem für das Aufgehende verwendet worden zu sein

scheinen.

Im Bereich der Tempelkonservierung konnten 1999 von Christoph Kronewirth

und weiteren Steinmetzen die drei Saulen B6, B7 und 05 mit internen Stahldübeln

gesichert und die alten rostenden Barıder entfernt werden. Als Schutz gegen eindringendes

Regenwasser und AIgenbildung wurde die Adyton-Nordmauer zwischen dem

7. und dem 10. Joch an der Innenwand und auf der Mauerkrone konsolidiert sowie an

der auBeren Westwand gröBere Lücken geschlossen. Der südliche Tunnelgang

einschlieBlich des Türqewarıdes wurde gesichert und die Verdachungen über dem

südlichen Treppenhaus fertiggestellt.

Einzelne Bruchstücke der Bauornamentik des Apollontempels wie Rankenfriesund figürliche Eckkapitelle, deren Zusammengehörigkeit bei Arbeiten im Steindepot

neu erkannt worden sind, wurden mit Stahldübeln zusammengesetzt.

Parallel zu den archaoloqisch-konservierenden Tatiqkelten fanden mehrere

geologische Kartierungen statt. Die von Jörg Reichert unternommene TempelBauschadenskartierung

an den besonders angegriffenen Marmorsteinen der AdytonSockelzone

und des Dodekastylos konnte als Schadensursachen mehrere isolierte

Brande unbekannten Datums und starke Verwitterungsprozesse im Adyton sowie

Brand- und Erdbebenschaden im Dodekastylos herausarbeiten. Zugleich wurde festgestellt,

daB die bisher als Hauptschadiqer interpretierten Schwarzkrusten-AIgen tatsachlich

nur geringen SteinfraB ausüben. Der Feldversuch, die auf den

Ternpelobertlachen siedelnden AIgen mittels Zinkchloridlösung zu entfernen, wurde

aufgrund ausbleibender positiver Ergebnisse eingestellt.

Barbara und Gregor Borg konnten die im hellenistisch-kaiserzeitlichen ApollonTempel

durchgeführte Kartierung der an saulen, Stufenbau und Kapiteilen verwendeten

Marmore abschlieBen. Nun wird deutlich, daB im Bereich des Dodekastylos

Marmor der Bafa-Gölü-Südbrüche und importierter thasischer Marmor verbaut wurden,

wahrend in den Peristasen Bafa-Ostufer-Marmor Verwendung fand, der von einem

vielleicht von der Prakonnesos stammenden Marmor erqanzt wurde. Auch in diesem

Jahr wurden Marmorpraben den Didyma-nahen Brüchen sowie den Baugliedern des

Apollon-Tempels entnommen; somit Iiegt jetzt ein Datensatz von insgesamt 150

Isotopenanalysen vor.

M. Kakerbeck hat das südlich und südwestlich von Didyma gelegene Gebiet im

MaBstab 1:10.000 geologisch kartiert und die dabei entdeckten archaoloqischen

Fundstellen dokumentiert. Damit ist die geologische Kartierung der südlichen Milesia

abgeschlossen. Der kausale Zusammenhang von in der Antike ackerbaulich genutzten

Böden in wasserspeichernden Mergelgebieten und qehauften archaoloqischen

Funden wie etwa Olmühlen einerseits und der archaoloqischen Fundleere in den zur

Natursteinproduktion genutzten wasserarmen Kalksteingebieten andererseits ist ein

Hauptergebnis der Kartierung.

An Publikationen wurden ein ausführlicher Bericht über die 1994 durchgeführten

Ausgrabungen im Nymphenheiligtum an der Heiligen StraBe sowie ein Artikel zum

Tempelvorplatz und seiner Umgebung fertiggestellt. Weiterhin wurde die Arbeit von

Ulrike Wintermeyer über die hellenistische und kaiserzeitliche Gebrauchskeramik von

Didyma mit besonderer Berücksichtigung der StraBensondagen als Monographie der

Didyma-Reihe für den Druck eingereicht.

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ProfDr.Klaus TUCHELT, Deutsehes Arehiiologisehes lnstitut, Podbielskiallee 69-71, 14195 Berlin (Leller der

Ausgrabung) Berlin/ALMANYA

Dr. Axel FiLGES, Deulsehes Archaoloqisches lnstitut, Ayazpaşa Camii Sok. 48, 80090 Gümüşsuyu-isıanbullTÜRKiVE

Milgewirkl haben Z. Bayraklar (1.7.-1.8.), F. Berard (16.6.-30.7.), Dr. D. Bisehop (6.6.-1.7.), PD Dr. B. Borg (14.7-3.8.),

Prof Dr. G. Borg (6.6., 14.7.-3.8.), Dr. H. Bumke (6.6.-3.8.), ismail Çelimli (23.6.-3.8.), Dr. A. FIIges (6.6.-3.8.), P.

Grunwald (20.7.-3.8.), Prof. Dr. L. Haselberger (23.6.-8.7.), M. Kakerbeek (6.6.-3.8.), Chr. Kronewirth (21.6.-3.8.), J.

Reiehert (6.6.-3.8.), E. Röver MA (9.7.-3.8.), Dr. Th. G. Sehallner (6.6.-20.6.), A. Tuehell (6.6.-25.6), Prof. Dr. K.

Tuehell (6.6.-25.6., 9.7.-3.8.).

 

Kaynak: Klaus Tuchelt, Axel Filges, “DIDYMA 1999 Kazı Raporu”

Hazırlayan: Bağımsız Rehberler Platformu 

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